Die Geschichte Tibets

War die Region auf dem schwer zugänglichen Hochplateau im Himalaya schon seit frühester Zeit ein selbständiger Kulturraum, der im Verlauf der Jahrhunderte aber immer wieder unter die Herrschaft fremder Völker geriet? Der Mongolen, Mandschu oder Chinesen?
Oder „gehörte“ Tibet „schon immer“ zu China?

Die Blickwinkel sind je nach politischem Standpunkt verschieden.

  • Im 7. Jahrhundert entsteht auf dem himalayischen Hochplateau das Königreich Tibet. Es ist in dieser Zeit eines der mächtigen Reiche Asiens.

  • Im 13. Jahrhundert machen sich die Mongolen sowohl Tibet wie China untertan. Der mongolische Herrscher Kublai Khan setzt Mitglieder des buddhistischen Sakya Ordens als Vizekönige Tibets ein.

  • Im Jahr 1642 setzen die Mongolen in Tibet den Führer des Gelugpa Ordens, den 5. Dalai Lama, als politisches Oberhaupt ein.

  • 1720 marschieren die Mandschu in Lhasa ein. Sie hatten 1644 Peking zur Hauptstadt der von ihnen dominierten Qing-Dynastie gemacht. 
  • 1727 schicken die Mandschu kaiserliche Gesandte von Peking an den Hof des Dalai Lama. Die Qing nehmen damit Einfluss auf die Regierung. Tibet steht nun unter Suzeränität (Oberherrschaft der militärischen und aussenpolitischen Angelegenheiten) Chinas.
  • Im 19. Jahrhundert leben die Tibeter in einem feudalen System unter den Lamas. Die grossen Klöster besitzen den Hauptteil des Landes, bestimmen das Bildungssystem und ziehen Abgaben ein. Der Einfluss Pekings ist minimal.

  • 1903 invadieren die Briten Tibet und besetzen Lhasa. Der 13. Dalai Lama flieht in die Mongolei.
  • 1907 schliessen England, Russland und China ein Abkommen. Dieses bestätigt die Suzeränität der Qing-Dynastie über Tibet.
  • 1910 schickt Peking eine militärische Expedition nach Tibet. Der 13. Dalai Lama flieht nach Indien.

  • 1911 wird der letzte Mandschu-Kaiser aus der Qing-Dynastie gestürzt („Chinesische Revolution“). Die meisten chinesischen Truppen verlassen Tibet.
  • 1912 kehrt der 13. Dalai Lama nach Lhasa zurück
  • 1913 werden die letzten chinesischen Truppen aus Tibet vertrieben. Der 13. Dalai Lama ruft die Unabhängigkeit Tibets aus. Es entsteht ein unabhängiger Staat mit eigener Regierung, Armee und Währung.
  • 1949 übernehmen in China die Kommunisten die Macht.

  • 1950 marschiert die chinesische Armee in Osttibet ein. Der 14. (heutige) Dalai Lama übernimmt im Alter von fünfzehn die Regierung Tibets.
  • 1951 unterzeichnen Repräsentanten der tibetischen Regierung das sog. 17- Punkte-Abkommen in Peking. Ob sie die Vollmacht dazu besassen, bleibt bis heute umstritten. Das Abkommen legt Tibet als Teil Chinas fest. Die regionale Autonomie und Religionsfreiheit bleibt aber garantiert. Das Abkommen wird am 24. Oktober von der tibetischen Regierung bestätigt. Daraufhin marschiert die chinesische Volksbefreiungsarmee in Lhasa ein.
  • 1954 reist der 14. Dalai Lama nach Peking, um mit Mao Zedong zu verhandeln.
  • 1955 schlagen die Chinesen einen tibetischen Aufstand blutig nieder. Die CIA bildet tibetische Guerilla-Kämpfer aus und versorgt sie mit Waffen.
  • 1956 flüchtet der 14. Dalai Lama nach Nordindien. Massgebende Teile des historischen Tibets werden als Autonomes Gebiet Tibet in die Volksrepublik China eingegliedert.
  • 1959 bricht der Tibeteraufstand aus. In Lhasa finden heftige Kämpfe statt. Der Volksaufstand wird von den Chinesen niedergeschlagen
  • 1966-1976: Die Roten Garden zerstören mehrere tausend Klöster und Kulturdenkmäler.
  • Seit 1987 brechen in Tibet immer wieder Unruhen aus. Einer der grössten Aufstände findet 2008 statt, kurz vor den Olympischen Spiele in Peking.