Facts zu den Selbstverbrennungen in Tibet ab 2009

Am 27. Februar 2009 übergiesst sich der 27-jährige tibetische Mönch Tapey in der Stadt Aba (chinesisch: Ngaba, Autonome Tibetische Präfektur Ngaba/Qiang, Provinz Sichuan) mit Benzin und zündet sich an. Der auch unter dem Namen Lobsang Tashi bekannte Mönch steht für die erste von über 130 Selbstverbrennungen, die darauf stattfinden. 

Link: http://news.bbc.co.uk/2/hi/7916544.stm

Bis ende November 2014 verbrennen sich insgesamt 133 Menschen:

  • 107 der 133 Tibeter und Tibeterinnen sterben 
  • 24 der Tibeter, die sich selber anzünden, sind achtzehn Jahre alt oder jünger
  • 44 der 133 stammen aus der Autonomen Tibetischen Präfektur Ngaba/Qiang
  • 13 der 133 sind Mönche des Kirti Klosters in der Stadt Ngaba (tibetisch: Aba)
  • 11 der 133 sind ehemalige Mönche des Kirti Klosters in Ngaba 
  • 2 der 133 sind Nonnen aus dem Mame Dechen Chokorling Frauenkloster in Ngaba

 

 

Gründe für die Selbstverbrennungen

Der letzte grosse Aufstand gegen die chinesische Autorität findet im Frühling 2008 in Lhasa statt, kurz vor dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking. Die chinesischen Sicherheitskräfte schlagen den Aufstand blutig nieder. 

Gemäss Tsering Woeser, chinesisch-tibetische Schriftstellerin und regimekritische Essayistin, sind die Selbstverbrennungen eine Folge dieses letzten grossen tibetischen Protests. Die in Peking wohnhafte Bloggerin liefert allerdings mehrere Gründe. Das macht auch Wang Lixiong, zusammen mit Woeser einer der bekanntesten Analysten der chinesischen Minderheitenpolitik. Wang Lixiong hat die letzten Worte von 97 der Verbrannten untersucht. Er unterscheidet vier Hauptgruppen von Äusserungen:

  • Leiden an der untragbaren Situation 
  • Das Ausdrücken von Mut und Verantwortung für die verletzte Würde der tibetischen Nation
  • Das Ausdrücken von Protest, verbunden mit der Forderung nach der tibetischen Unabhängigkeit
  • Gebete und Hingabe für den Dalai Lama

14 der Menschen, die sich selber verbrennen, beschreiben ihre Tat gemäss Wang Lixiong als gezielte Aktion. Sie erwarten, dass ihr persönliches Opfer beitrage zur angestrebten Unabhängigkeit. Wang Lixiong folgert: “Die Selbstverbrennung ist für einen Einzelnen die extremste Form des Freiheitskampfes, in der er Zuflucht finden kann.”

 

Probleme mit den Hochland-Nomaden

Seit 2008 hat sich der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit rasch über den ganzen tibetischen Grossraum verbreitet, besonders aber auf die tibetischen Kulturregionen Kham und Amdo im Osten Tibets. Kham und Amdo liegen weitgehend in den heutigen chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu und Sichuan. In diesen rauhen einsamen Gebieten siedeln wähend Jahrhunderten tibetische Hochlandnomaden. Sie ziehen mit ihren Tieren von Weide zu Weide.

Seit ein paar Jahrzehnten fallen die Nomaden aufgrund ihrer Lebensweise oft durch das Netz der staatlichen Kontrolle und entziehen sich der von China postulierten “Weiterentwicklung”. Die chinesischen Behörden planen deshalb, die Nomaden bis 2015 vollständig zwangsanzusiedeln. Dafür ziehen sie am Rand von Städten unzählige Betonbaracken hoch. Die Unzufriedenheit der Menschen mit der verordneten neuen Lebensform führt im Umfeld der in Qinghai, Gansu und Sichuan liegenden Klöster, allesamt akribisch überwacht, zu weiteren Selbstverbrennungen.